30.03.2007 - serotonin
Serotonin
-Blind
man ask me forgiveness- Leise, leise.
Sei bloß
leise, sie könnten
dich hören, und
dann bist du am Arsch. Mach sie bloß
nicht auf dich aufmerksam, du willst doch jetzt noch nicht
draufgehen, oder? Mit diesen Worten macht sie sich Mut, Mut, den sie
braucht um noch einmal hinauszugehen, in die Ungewissheit, die da
draußen auf sie
wartet.
Sie
hat nur noch wenige Reserven, die meisten hat sie verbraucht, die
langen Nächte,
in denen sie um ihr Leben und um das ihres Liebsten bangte, haben an
ihren Nerven gezehrt,
aber
sie ist verzweifelt genug, um auf nichts mehr Rücksicht
zu nehmen, nicht auf ihn oder gar sich selbst. Sie wird die ganze
Scheiße
beenden, und zwar jetzt. Genug Angsttränen
im dunklen Zimmer, den Kopf ins Kissen gedrückt,
keiner darf mich hören,
keiner darf mich sehen, lass sie mich bloß
nicht entdecken, ich bin zu jung –noch nicht, bitte - zum Sterben.
Doch
wenn sie es schafft unbemerkt hier rauszukommen wird sie es ihnen
zeigen, noch ist sie verwundbar, aber bald, bald wird der Tag der
Rache da sein, Dies irae, mein ist die Rache, mein sagt sie und sie
meint es so .-I
won’t deny myself-
Als
sie in die Dunkelheit hinausgeht atmet sie die klare Luft ein,
eigentlich ist sie mehr ein Kind der Nacht, aber im Moment wäre
ein bisschen mehr Licht schon ganz nett, allein um zu sehen worauf
sie tritt. Aber egal, erst mal weg hier, weg von all dem Schmerz, der
Qual -disrespect
you have given- die
sie in ihrem eigenen Haus ertragen musste, dem beschissenen Gefühl
sich nicht wehren zu können
-your
sufferning’s my wealth- Jetzt
über
den Zaun, der Zaun trennt sie vor der großen
Freiheit, er steht ihr im Weg, aber heute gibt es kein Hindernis das
zu hoch ist, sie nimmt Anlauf und springt, sie fliegt, ihre Finger
krallen sich in das Drahtgitter, sie zieht sich hoch und über
den Zaun, sie hat es tatsächlich
geschafft, sie fühlt
sich stark, unbesiegbar als sie sich auf der anderen Seite fallen
lässt.
Direkt
in den Stacheldraht -I
feed off pain, force fed to love it- Scheiße.
Egal. Ich darf jetzt nicht
schreien, bloß
vorsichtig mit den Stacheln, sie zerkratzen die Haut, reißen
Fetzen aus der Kleidung, als sie sich rauswindet, sie hat einiges
abbekommen aber nichts was ich nicht abkann, alles ist besser als
das, was hinter ihr liegt, also geht es weiter, wo lang jetzt?
Rechts? Links? Blut läuft
ihr in den Mund, anscheinend ist es schlimmer als es sich anfühlt
-and
now I swallow whole- Langsam dreht sie
richtig auf, sie sieht Dinge, die sie vorher nie bemerkt hat, seit
wann ist das Schild denn da, gestern war das noch nicht da, da bin
ich sicher, oder war das vorgestern als ich –I’ll
never live in the past- und das
Loch in der Straße
hat sie auch noch nie bemerkt, aber es gibt wichtigere Dinge zu
erledigen als das, sie ist draußen,
alles was ihr noch fehlt ist `ne Knarre. Die und was zu essen.
Aber
erst die Waffe, Tote können
nicht essen, aber hungrige Leute sind sehr wohl in der Lage eine
Waffe zu bedienen, um sich was zu essen zu beschaffen, sie wird für
´ne Pizza über
Leichen gehen, also auf zum Waffenladen. Aber wie soll sie jetzt da
rein kommen, das Geschäft
ist zu und die Scheibe einzuschlagen (mit einem Stein, heute schaff
ich alles, das ist kein Problem) wäre
einfach zu laut. Aber wer will schon ewig leben. Besser jetzt
sterben, als wieder zurückzugehen.
Ich kann nicht zurück,
nie wieder, es gibt nichts mehr, was sie umstimmen könnte,
selbst der Gedanke an ihren möglichen
Tod, der ihr durchaus bewusst ist,
entlocken
ihr ein Lächeln,
das ihre Lippen umspielt, als sie einen Stein sucht
-let
freedom ring with a shotgun blast- und
ihn mit all ihrer zur Verfügung
stehenden Kraft ins Fenster wirft. Lächelnd
greift sie durch die Scheibe um die größte
(und wie sie findet schönste,
noch vor zwei Wochen verabscheute sie Waffen) Kanone, die sie je in
ihrem Leben gesehen hat, herauszunehmen und an sich zu bringen. Dann
lass uns mal sehen wer hier wen fickt. -let
freedom ring with a shotgun blast- sagt
sie und drückt
ab.
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